Daldrup & Söhne ist ein deutsches Bohrunternehmen, das Tiefbohrungen für Geothermie, Rohstoff- und Endlagererkundung sowie Wassergewinnung durchführt. Das im westfälischen Ascheberg ansässige Unternehmen erzielte 2025 eine Gesamtleistung von rund 51 Millionen Euro; zuletzt ausgewiesen stammte davon je etwa die Hälfte aus dem Geothermie- sowie dem Rohstoff- und Explorationsgeschäft.
Wer Daldrup & Söhne für einen reinen Geothermie-Bohrer hält, kennt nur die Hälfte des Geschäfts. Das Unternehmen aus dem westfälischen Ascheberg gliedert sich in vier Segmente: Geothermie, Rohstoffe & Exploration, Wassergewinnung und Umweltdienstleistungen. Im Jahr 2024 trug die Geothermie 45 Prozent zum Umsatz bei – die Rohstoff- und Explorationssparte kam mit 44,3 Prozent fast gleichauf. Wassergewinnung, in älteren Darstellungen gern als tragende Säule beschrieben, steuerte gerade einmal 1,9 Prozent bei. Die zweite Hälfte des Geschäfts liefert Bohrungen für die Erkundung von Rohstofflagerstätten, Baugrund und, seit 2019, für die Schweizer Nagra bei der Suche nach einem Endlager für radioaktive Abfälle. Zwei fast gleich große Standbeine also, nicht eines mit Beiwerk.
Im Kerngeschäft Geothermie erschließt Daldrup heißes Thermalwasser in Tiefen zwischen 1.500 und 6.000 Metern, mit zwei Anlagen, die bis knapp 7.000 Meter reichen. Über 50 Tiefbohrungen hat das Unternehmen abgeschlossen, für die Stadtwerke München, Schwerin, Neuruppin und Prenzlau ebenso wie für private Wärmeprojektierer im Raum München. Sechs Bohrungen für die Stadtwerke München versorgen inzwischen 80.000 Haushalte mit erneuerbarer Wärme. Seit Dezember 2025 flankiert das Geothermie-Beschleunigungsgesetz das Geschäft, ergänzt um eine KfW-Fündigkeitsversicherung, die Projektentwicklern das Risiko einer unergiebigen Bohrung abnimmt – nicht Daldrup selbst, das für Termine und Ausführung weiter geradesteht, wohl aber den Auftraggebern, deren Investitionsbereitschaft dadurch steigt.
Die zweite Säule, Rohstoffe & Exploration, ist weniger sichtbar, aber ökonomisch ebenbürtig. Hier bohrt Daldrup für die Erkundung von Metallen und anderen geologischen Lagerstätten – und, in einem politisch heiklen Feld, für die Standortsuche atomarer Endlager. Seit 2019 arbeitet das Unternehmen wiederholt für die Schweizer Nagra, außerdem an Erkundungsbohrungen für die Schachtanlage Asse II. Solche Aufträge zahlen sich in langen Vertragslaufzeiten und stabilen öffentlichen Auftraggebern aus, fernab der kommunalen Förderzyklen der Geothermie. Wer nur auf die Wärmewende schaut, übersieht damit, dass ein wesentlicher Teil von Daldrups Auftragsbuch von einem ganz anderen Uhrwerk angetrieben wird: der langsamen, aber verlässlichen Standortsuche für nukleare Altlasten.
Der Markt für tiefe Geothermiebohrungen ist eine schmale Nische mit wenigen spezialisierten Anbietern. Derzeit übersteigt die Nachfrage die verfügbaren Bohrkapazitäten in Deutschland deutlich – ein Zustand, den das Unternehmen selbst offen als Wachstumsgrenze benennt: Fachkräfte und Bohranlagen sind knapper als Aufträge. Der Auftragsbestand von 120 Millionen Euro Ende März 2026 bedeutet, dass die vorhandenen Kapazitäten rechnerisch bis 2027 ausgebucht sind. In diesem Umfeld verschiebt sich der Wettbewerb weg vom Preis hin zur Verlässlichkeit der Ausführung und zur schlichten Fähigkeit, überhaupt liefern zu können. Wer heute eine Bohrung für 2028 plant, muss sich frühzeitig Kapazität sichern – ein Vorteil für etablierte Anbieter mit vollen Auftragsbüchern und langer Erfolgsbilanz.
Die Vorstellung einer geschützten Nische trägt allerdings nicht mehr uneingeschränkt. Herrenknecht, der weltweit tätige Tunnelbaukonzern aus Baden-Württemberg, hat die Mehrheit an der Bohrfirma H. Anger's Söhne übernommen und baut damit gezielt ein eigenes Tiefbohrgeschäft für Geothermie auf. Anders als die spezialisierten Mittelständler der Branche verfügt Herrenknecht über eine Kapitalbasis und Fertigungstiefe, die Daldrups organisch gewachsenen Bohrpark auf Sicht herausfordern könnte. Noch ist offen, ob der Konzern die Nische als Beiwerk oder als neues Kerngeschäft behandelt. Für Daldrup bedeutet der Markteintritt eines solchen Akteurs jedenfalls, dass die bislang komfortable Konstellation aus wenigen Anbietern und struktureller Kapazitätsknappheit nicht auf Dauer angelegt sein muss.
Eine andere Form der Konkurrenz kommt von der Nachfrageseite selbst. Vulcan Energy, das im Oberrheingraben Lithium und Geothermiewärme gemeinsam gewinnen will, hat mit Vercana eine eigene, vollelektrische Bohrtochter aufgebaut und bohrt seine Brunnen inzwischen selbst. Für kapitalstarke Projektentwickler mit wiederkehrendem Bohrbedarf kann Insourcing wirtschaftlicher sein als die Vergabe an Dritte – ein Modell, das andere große Energieversorger oder Investoren kopieren könnten, sollte sich der Kapazitätsengpass am Markt nicht auflösen. Für Daldrup ist das kein akutes Problem, solange die Auftragsbücher voll sind. Es ist aber ein Hinweis darauf, dass die heutige Verhandlungsmacht des Bohrdienstleisters auch eine Folge der aktuellen Knappheit ist – und nicht zwangsläufig von Dauer.
Strategisch bewegt sich Daldrup vom reinen Bohrdienstleister zum Generalunternehmer für Geothermieprojekte, der Planung, Bohrung und Anlagenbau aus einer Hand anbietet. Das Pullach-Projekt, mit sieben Bohrungen der größte Einzelauftrag der Firmengeschichte, dient dabei als Referenz für dieses erweiterte Rollenverständnis. Ergänzt wird die Strategie durch ein Konzept namens Alternative Risk Transfer, mit dem Explorationsrisiken versichert und damit die Finanzierung größerer Projekte erleichtert wird. Der Umbau erhöht das Umsatzpotenzial pro Auftrag deutlich, bindet das Unternehmen aber auch stärker an den Erfolg einzelner Großprojekte – eine Konzentration, die sich 2025 bereits bemerkbar machte, als sich der Bohrbeginn in Pullach ins Folgejahr verschob.
Parallel investiert Daldrup in die Modernisierung seines Bohrparks von aktuell rund 40 Anlagen, von denen zwei bereits Tiefen von knapp 7.000 Metern erreichen. Geografisch bleibt der Schwerpunkt auf Deutschland, ergänzt um eigene Tochtergesellschaften in der Schweiz und den Niederlanden sowie Projekte im Benelux-Raum. Diese Auslandspräsenz ist bislang eher Option als tragende Säule: Nach Einschätzungen aus der Finanzanalyse stammen rund 90 Prozent des Umsatzes weiterhin aus Deutschland. Die technologische Aufrüstung soll die thermische Ausbeute je Bohrung steigern und die Wettbewerbsposition gegenüber neuen Marktteilnehmern wie Herrenknecht festigen, ohne dass das Unternehmen dabei seine geografische Kernkompetenz – das Verständnis deutscher Genehmigungsverfahren und kommunaler Auftraggeber – aufgibt.
Finanziell fährt das Management trotz Rekordauftragsbestand einen vorsichtigen Kurs. Die Dividende wurde 2026 zwar um 20 Prozent auf 0,18 Euro je Aktie angehoben, das entspricht bei einem Ergebnis je Aktie von 1,29 Euro im Jahr 2025 aber weiterhin einer niedrigen Ausschüttungsquote. Der überwiegende Teil des freien Cashflows fließt in Schuldenabbau und die Finanzierung des wachsenden Projektgeschäfts. Diese Zurückhaltung passt zu einer Eigentümerstruktur, in der die Gründerfamilie rund 58 Prozent der Anteile hält und die operative Führung stellt: Wachstum wird finanziert, aber nicht auf Kredit erzwungen. Für Minderheitsaktionäre bedeutet die Konstellation zugleich, dass strategische Weichenstellungen faktisch bei der Familie liegen.
Am 10. August 2026 steht Daldrup & Söhne so gut da wie selten in seiner Geschichte als börsennotiertes Unternehmen. Der Auftragsbestand von 120 Millionen Euro bindet die Kapazitäten rechnerisch bis 2027, die EBIT-Marge lag 2025 mit 17,4 Prozent deutlich über der eigenen Prognose, und der Aktienkurs ist binnen zwölf Monaten um rund 80 Prozent gestiegen. Zugleich zeigt die genauere Betrachtung, dass das Unternehmen breiter aufgestellt ist, als das öffentliche Bild suggeriert: Die Hälfte des Geschäfts stammt nicht aus der Wärmewende, sondern aus Rohstofferkundung und der Suche nach nuklearen Endlagerstandorten – eine Diversifikation, die das Geothermie-Narrativ ergänzt, ohne es zu ersetzen.
Die Kehrseite dieser Stärke ist eine Abhängigkeit, die sich schwer wegdiskutieren lässt. Fast der gesamte Umsatz stammt aus Deutschland und hängt an einem jungen, erst seit Ende 2025 geltenden Fördergerüst aus Beschleunigungsgesetz, Fündigkeitsversicherung und Infrastruktur-Sondervermögen – politische Konstruktionen, die sich ändern lassen. Die Verschiebung des Pullach-Bohrbeginns von 2025 auf 2026 zeigt zudem, dass auch ein technisch erfahrenes Unternehmen die Physik des Untergrunds nicht vollständig kalendarisch planen kann. Hinzu kommt eine Marktkapitalisierung von gut 130 Millionen Euro, die für viele institutionelle Investoren zu klein ist, ein dünner Handel und eine Kursspanne der letzten zwölf Monate zwischen 11 und über 30 Euro, die eher zu einer Wette als zu einer Position für ruhige Nächte passt.
Es bleibt am Ende eine Frage der Gewichtung, nicht der Fakten. Die Zahlen – voller Auftragsbestand, hohe Marge, wachsende Dividende – sind unstrittig, ebenso wie die Risiken: politische Abhängigkeit, geologische Unwägbarkeit, dünner Handel, neue Konkurrenz von zwei Seiten. Wer die Kapazitätsknappheit der Branche für dauerhaft hält, kauft einen Bohrpark, der so schnell nicht kopiert wird, und ein Fördergerüst, das erst am Anfang seiner Wirkung steht. Wer im jüngsten Kursanstieg vor allem Erwartung statt Substanz sieht, verweist auf eine Marktkapitalisierung, die für institutionelle Absicherung zu klein bleibt, und auf Wettbewerber wie Herrenknecht und Vulcan Energy, die an den Rändern der Nische bereits kratzen. Beide Rechnungen gehen von denselben Ausgangsdaten aus.