HÖHENRENDITE MIT VERFALLSDATUM

COMPAGNIE DES ALPES

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Compagnie des Alpes ist ein französischer Freizeitkonzern, der elf große Skigebiete in den Alpen sowie Freizeitparks, Reisevertrieb und urbane Sport- und Padelanlagen in Europa betreibt. Die Skigebiete werden überwiegend über zeitlich befristete Konzessionsverträge mit Kommunen bewirtschaftet, nicht im Eigentum gehalten.

01 Das Geschäft

Berge auf Zeit

Compagnie des Alpes betreibt elf große Skigebiete in den französischen Alpen, darunter Les Arcs, Tignes und La Plagne, das größte Skigebiet der Welt. Der Konzern hält damit rund ein Viertel des französischen Marktes, des weltweit größten Skimarktes. Entscheidend für das Geschäftsmodell ist aber nicht Eigentum, sondern Zeit: Die meisten Skigebiete werden über eine Délégation de Service Public betrieben, einen von der jeweiligen Kommune befristet vergebenen Konzessionsvertrag. Wer Lifte, Pisten und Beschneiungsanlagen finanziert und betreibt, tut das auf Widerruf durch den Gemeinderat — ein Umstand, der dem sonst massiven Burggraben eine überraschend fragile Grundlage gibt.

Astérix, Walibi, Futuroscope

Neben dem Skigeschäft betreibt CdA ein wachsendes Portfolio an Freizeitparks: Parc Astérix, die Walibi-Kette, das Futuroscope und Grévin Paris, seit 2025 ergänzt um den deutschen Park Belantis. Im Geschäftsjahr 2024/25 erwirtschaftete die Sparte ein operatives Ergebnis von 176 Millionen Euro bei einer Marge von 26 Prozent — solide, aber niedriger als die margenstärkeren Skigebiete. Anders als die Bergbahnen sind die Parks nicht auf Winter und Höhenlage angewiesen, dafür aber auf das Sommerwetter: Im Juli 2026 drückten Regenperioden und Hitzewellen die Besucherzahlen um 3,7 Prozent und zwangen den Konzern zu einer Gewinnwarnung.

Zwanzig Prozent Wiederanlage

Finanziell ist CdA ein Unternehmen von beträchtlicher, aber kapitalhungriger Substanz. Der Umsatz stieg im Geschäftsjahr 2024/25 um 12,8 Prozent auf rund 1,4 Milliarden Euro, das operative Ergebnis (EBO) um 16,7 Prozent auf 409 Millionen Euro. Von diesem Erfolg fließt viel zurück in den Betrieb: Rund 20 Prozent des Umsatzes werden jährlich in Lifte, Pisten, Beschneiung und Parkattraktionen reinvestiert, finanziert auch über eine Nettoverschuldung von 824 Millionen Euro, dem 2,3-Fachen des operativen Ergebnisses. Die Dividende stieg zum zweiten Mal in Folge, um 10 Prozent auf 1,10 Euro je Aktie, bei einer Ausschüttungsquote von 52 Prozent des Nettogewinns.

02 Der Wettbewerb

Ein Rathaus sagt nein

Der härteste Wettbewerb um CdAs Skigebiete findet nicht auf der Piste statt, sondern im Gemeinderat. Im August 2024 entschied die Kommune Tignes, den seit 1989 laufenden Konzessionsvertrag mit CdA nicht zu verlängern; ab Juni 2026 übernimmt die neu gegründete lokale öffentliche Gesellschaft ALTTA den Betrieb. CdA erhält dafür eine Entschädigung von rund 137 Millionen Euro, verliert aber dauerhaft einen prestigeträchtigen Standort. Der Fall zeigt, dass Konzessionsvergaben politische, nicht nur wirtschaftliche Entscheidungen sind — eine Kommune kann sich für kommunale Kontrolle entscheiden, selbst gegen einen finanzstarken, erfahrenen Betreiber.

Vail Resorts verliert

Dass Konzessionen auch international umkämpft sind, zeigte die Ausschreibung um La Plagne im November 2025: Neben französischen Bewerbern bot auch der amerikanische Ski-Gigant Vail Resorts um den Betrieb des mit Abstand größten Skigebiets der Welt. CdA setzte sich durch und sicherte sich einen neuen 25-Jahres-Vertrag bis 2052, verbunden mit einer Investitionszusage von 500 Millionen Euro — die Aktie sprang am Tag der Entscheidung deutlich. Der Sieg bestätigt operative Stärke, macht aber zugleich sichtbar, wie sehr ein einzelner Standort — La Plagne allein steht nach unabhängigen Schätzungen für fast die Hälfte des Ski-Konzessionswerts — über das Konzernschicksal mitentscheidet.

Vierter Platz in Europa

Im Freizeitparkgeschäft ist CdA nicht die Nummer eins, sondern gilt als viertgrößter Betreiber Europas hinter Disney, Merlin Entertainments und Parques Reunidos. Gegen Disneyland Paris und den familiengeführten Europa-Park, der jährlich rund 6,2 Millionen Besucher zieht und wiederholt zum weltbesten Themenpark gekürt wurde, kann CdA kaum mit Größe punkten, wohl aber mit kultureller Nähe: Parc Astérix lebt von einem Stoff, den internationale Konkurrenten nicht kopieren können. Im neuen Urban-Leisure-Segment — Indoor-Fußball und Padel über die Marken Urban Group und PadelCity — trifft CdA auf einen fragmentierten Markt lokaler Betreiber, den der Konzern durch Konsolidierung und Kapitalkraft aufzurollen versucht.

03 Die Strategie

Grenzen der Kunstschnee

Der Konzern reagiert offen auf den Klimawandel, statt ihn zu leugnen: Bis 2030 sollen die Skigebiete netto-klimaneutral werden, mit Zielen auch für Biodiversität und Abfallvermeidung. Zugleich macht das Management öffentlich klar, dass Beschneiung keine Lösung, sondern nur eine Verzögerung ist — Kunstschnee funktioniert physikalisch nur zwischen minus drei und minus fünfzehn Grad und wird Naturschnee nach eigener Aussage nie ersetzen. Kurzfristig profitiert CdA sogar davon, dass tiefer gelegene, unterkapitalisierte Konkurrenten aufgeben oder ihr Enddatum verkünden — Nachfrage verschiebt sich zu den Höhenlagen, in denen CdA konzentriert ist.

Padel statt Piste

Die zweite strategische Stoßrichtung ist die Eroberung des städtischen Alltags. Mit der Übernahme von 86,5 Prozent der Urban Group für rund 130 Millionen Euro und einer neuen Beteiligung an PadelCity baut CdA ein drittes Standbein aus Indoor-Fußball- und Padelanlagen in Ballungsräumen auf, das bis Ende 2026 auf rund 40 Standorte mit 350 Courts wachsen soll. Anders als Berge und Parks ist dieses Geschäft wetterunabhängig und wochentagstauglich — es zielt auf den Freizeit-Euro, der bislang am Konzern vorbeifloss, und diversifiziert den Cashflow zeitlich wie geografisch weg vom Alpenraum.

Fünfhundert Millionen als Fixpunkt

Kapitalseitig bleibt CdA einer klaren mittelfristigen Zielmarke verpflichtet: einem operativen Ergebnis von mindestens 500 Millionen Euro und einer EBO-Marge von über 30 Prozent ab dem Geschäftsjahr 2028/29. Die Investitionszusage von ebenfalls 500 Millionen Euro für La Plagne bis 2052 zeigt, wie eng diese Ziele an bereits gewonnene, langfristig gebundene Konzessionen geknüpft sind. Getragen wird die Strategie von einem Referenzaktionär, der selten genannt, aber entscheidend ist: Die staatliche Caisse des Dépôts hält seit der Gründung 1989 rund 42 Prozent des Kapitals und verleiht dem Konzern eine finanzielle Stabilität, die private Freizeitkonzerne dieser Kapitalintensität selten aufbringen.

04 Die Synthese

Compagnie des Alpes präsentiert sich im August 2026 als Unternehmen mit zwei einander widersprechenden Bewegungsrichtungen zugleich. Operativ ist der Konzern so stark wie selten: Rekordumsatz, zweistelliges Wachstum beim operativen Ergebnis, eine gewonnene 25-Jahres-Konzession für das größte Skigebiet der Welt gegen internationale Konkurrenz, eine wachsende dritte Säule im urbanen Freizeitmarkt. Der Aktienkurs bewegte sich in den vergangenen zwölf Monaten zwischen 18,36 und 29,00 Euro und notiert nach der Gewinnwarnung vom 31. Juli 2026 — verregnete, zu heiße Sommerwochen drückten die Parkbesuche und zwangen das Management, die Wachstumsprognose von knapp zehn auf zwei bis fünf Prozent zu kappen — wieder deutlich unter seinem Jahreshoch.

Unter der Oberfläche der Zahlen liegt ein Geschäftsmodell, das seine Stärke aus einer strukturellen Verwundbarkeit bezieht. CdA besitzt seine wichtigsten Vermögenswerte nicht, sondern least sie auf Zeit von Kommunen — der Fall Tignes, wo sich ein Gemeinderat 2024 für die Rekommunalisierung entschied, belegt, dass dieses Risiko real und nicht nur theoretisch ist. La Plagne, ein einzelner Standort, trägt nach externen Schätzungen fast die Hälfte des Ski-Konzessionswerts des gesamten Konzerns. Und der Klimawandel, der CdA heute noch nützt, weil tiefer gelegene Konkurrenten aufgeben, verschiebt das eigentliche Risiko lediglich in die zweite Hälfte des Jahrhunderts, löst es aber nicht auf.

Wer in CdA investiert, kauft damit zwei Dinge zugleich: einen der stärksten operativen Betreiber alpiner und urbaner Freizeitwelten Europas, gestützt durch einen finanzstarken staatsnahen Ankeraktionär und ein bis 2052 gesichertes Kernasset — und eine Wette darauf, dass jede kommende Konzessionserneuerung, jede Wettersaison und jedes Jahrzehnt bis zur Mitte des Jahrhunderts günstig genug ausfällt, um die heutige, kaum mit Sicherheitsabschlag versehene Bewertung zu rechtfertigen. Analysten sehen darin überwiegend eine Kaufgelegenheit mit spürbarem Aufwärtspotenzial; unabhängige Bärenstimmen sehen darin den vollen Preis für die Hoffnung, dass über drei Jahrzehnte nichts grundlegend schiefgeht. Beide lesen dieselben Zahlen — sie kommen nur zu unterschiedlichen Schlüssen darüber, wie viel eine befristete Gipfel-Konzession heute wert sein darf.