AUFTRÄGE SCHNELLER ALS DIE HALLE

2G ENERGY

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Die 2G Energy AG aus Heek im westlichen Münsterland baut Blockheizkraftwerke, die aus Erdgas, Biogas oder Wasserstoff gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen, dazu Großwärmepumpen und containerisierte Stromaggregate. Die Erlöse stammen aus dem Verkauf der Anlagen und aus der Wartung der installierten Basis.

01 Das Geschäft

Zehntausend Anlagen im Feld

Ein Blockheizkraftwerk ist ein Motor mit einem Generator daran, aufgestellt dort, wo der Strom gebraucht wird. Weil die Abwärme nicht in einen Kühlturm geht, sondern ins Heiznetz, erreichen solche Anlagen Gesamtwirkungsgrade von über 90 Prozent. 2G baut sie in Leistungsklassen von 20 bis 4.500 Kilowatt; über 10.000 Stück laufen in mehr als 60 Ländern, zusammen über zwei Gigawatt. Der Umsatz hat zwei Quellen. 2025 kamen 230 Millionen Euro aus dem Neuanlagengeschäft, ein Plus von elf Prozent, und rund 169 Millionen aus Service und Wartung. Der zweite Teil ist der margenstärkere, und er wächst mit dem ersten: Jede verkaufte Maschine bindet einen Kunden über ihre Laufzeit von Jahrzehnten.

Das Jahr der Software

Das Geschäftsjahr 2025 lief trotzdem schlecht. Die Gesamtleistung stieg um 12,1 Prozent auf 409,2 Millionen Euro, der Umsatz um sechs Prozent auf 398,4 Millionen — doch das EBIT fiel von 33,3 auf 26,3 Millionen, die Marge von 8,9 auf 6,6 Prozent, das Konzernergebnis um 29 Prozent auf 16,8 Millionen. Ursache war die Einführung eines neuen ERP-Systems in der 2025 gegründeten Produktionsgesellschaft 2G Heek GmbH: Einmalkosten, und ein Servicegeschäft, das darüber auf ein Prozent Wachstum zurückfiel. Im ersten Quartal 2026 setzte sich das fort. Der Umsatz sank um 22 Prozent auf 54,2 Millionen Euro, die EBIT-Marge lag bei minus 7,6 Prozent nach minus 4,7 im Vorjahresquartal.

Der Kunde ohne Namen

Dann kam das zweite Quartal. Der Auftragseingang erreichte 422,4 Millionen Euro nach 54,1 Millionen im Vorjahresquartal, im Halbjahr 479,4 nach 110,7 Millionen. 350,3 Millionen davon entfielen auf ein Segment, das es zwölf Monate zuvor praktisch nicht gab: Stromversorgung für Rechenzentren in Nordamerika. Kern ist der größte Einzelauftrag der Firmengeschichte, wirksam seit dem 26. Mai 2026, containerisierte Kraftwerke im unteren dreistelligen Megawattbereich, Auslieferung ab dem zweiten Halbjahr 2026 über mehrere Jahre verteilt. Der Kunde bat darum, nicht genannt zu werden. Für das Gesamtjahr erwartet der Vorstand nun mindestens 725 Millionen Euro Auftragseingang — bei einem geplanten Umsatz von 490 Millionen.

02 Der Wettbewerb

Sechzehn Prozent im Heimatmarkt

In Deutschland hält 2G rund 16 Prozent des Marktes für Kraft-Wärme-Kopplung und liegt damit etwa gleichauf mit INNIO Jenbacher und MWM. Letztere gehören seit 2011 zu Caterpillar, das die Mannheimer Motorenwerke damals für rund 580 Millionen Euro vom Finanzinvestor 3i übernahm. Der Heimatmarkt war lange zäh und bewegt sich seit Herbst 2025 wieder: Die EU-Kommission genehmigte im September das deutsche Biomassepaket, das Ausschreibungsvolumen für Biogas steigt 2026 auf 1.126 Megawatt, die Anschlussförderung wurde von zehn auf zwölf Jahre verlängert. Im zweiten Quartal 2026 legte der deutsche Biogas-Auftragseingang um 74 Prozent auf 37,9 Millionen Euro zu.

Wärtsilä, INNIO, Caterpillar

Das Rechenzentrumsgeschäft ist kein Feld, auf dem 2G allein steht. Gasturbinen sind bei den großen Herstellern bis weit in die Jahre 2027 und 2028 ausverkauft, Netzanschlüsse dauern in den USA Jahre — deshalb werden Kolbenmotoren bestellt, die in zwölf bis achtzehn Monaten lieferbar sind. Wärtsilä verkaufte im April 2026 412 Megawatt für ein Rechenzentrum in Ohio, vierzig Maschinen des Typs 34SG. INNIO und Rehlko schlossen einen Rahmenvertrag über 1,25 Gigawatt Jenbacher-Kapazität in drei Jahren. Caterpillar meldete 44 Prozent Wachstum im Geschäft mit Stromerzeugungsanlagen, Cummins hob wegen derselben Nachfrage seine Jahresprognose an. 2G ist in dieser Runde der kleinste Teilnehmer, mit gut einer Milliarde Euro Börsenwert.

Der zugekaufte Motorblock

Was 2G von diesen Anbietern unterscheidet, ist der Zuschnitt: schlüsselfertige Container samt Inbetriebnahme vor Ort, dazu die Freiheit beim Brennstoff. Die Baureihe agenitor läuft in einer Variante mit hundert Prozent Wasserstoff, serienreif entwickelt und bei den Stadtwerken Haßfurt seit Jahren im Betrieb, dazu vier weitere Wasserstoffprojekte weltweit. Was 2G nicht unterscheidet, steht im eigenen Ersatzteilkatalog: Die Motorblöcke baut das Unternehmen nicht selbst. Die agenitor-Reihe fußt auf MAN-Technik, bei überholten Austauschmotoren ersetzt 2G Kurbelgehäuse und Nockenwelle durch Original-MAN-Komponenten. In einem Markt, in dem Motorenkapazität knapp geworden ist, hängt das Wachstum damit an Lieferbeziehungen, die 2G nicht kontrolliert.

03 Die Strategie

Eine Montagehalle für 2028

Der Auftrag ist da, die Fertigung dafür noch nicht. In Heek entsteht eine neue Montagehalle, in der ab Anfang 2028 containerisierte Kraftwerke im Fließverfahren gebaut werden sollen; ausgelegt ist sie auf mindestens 300 Millionen Euro zusätzlichen Jahresumsatz. Bis dahin muss die vorhandene Fertigung tragen, denn die ersten Auslieferungen des Großauftrags stehen im zweiten Halbjahr 2026 an. Technikvorstand Frank Grewe begründet den Bau damit, dass sich Aufträge dieser Größe nur in Serienfertigung effizient abwickeln lassen. Die Prognose für 2027 nennt 570 bis 620 Millionen Euro Umsatz bei über elf Prozent EBIT-Marge. Beide Werte müssen erreicht werden, bevor die Halle in Betrieb geht.

Zwei Namen, ein Kürzel

Das Unternehmen trägt die Anfangsbuchstaben seiner Gründer im Namen: Christian Grotholt und Ludger Gausling gründeten es 1995, seit 2007 ist die Aktie notiert. Im August 2025 gab Grotholt nach dreißig Jahren den Vorstandsvorsitz an Pablo Hofelich ab und wechselte in den Aufsichtsrat. Die Eigentümerseite blieb, wie sie war: Grotholt hält 29,6 Prozent, Gausling 14,4, der Streubesitz 55,1 Prozent (Stand Mai 2025), verteilt auf 17,94 Millionen Aktien. Hofelich kaufte zuletzt für 65.000 Euro eigene Papiere. Gehandelt wird der Wert im Segment Scale, dem Freiverkehr der Frankfurter Börse, dessen Berichtspflichten hinter denen des regulierten Marktes zurückbleiben.

Wärmepumpen und Kraftwerksausschreibungen

Neben dem Rechenzentrumsgeschäft laufen kleinere Linien weiter. Großwärmepumpen von 100 bis 2.600 Kilowatt sollen 2026 über 30 Millionen Euro bringen — die Prognose wurde von zuvor 20 Millionen angehoben —, 2027 rund 45 Millionen. Dazu kommt der deutsche Kraftwerksmarkt: Am 1. September und am 8. Dezember 2026 schreibt der Bund erstmals neue steuerbare Kapazität aus, je 4,5 Gigawatt. Die Teilnahmebedingungen verlangen mindestens zehn Stunden ununterbrochene Leistung, was eher für große Blöcke spricht; ob 2G dort zum Zug kommt, ist offen, das Management zählt das Feld zu seinen Treibern. Biogas, Wärmepumpen, Wasserstoff und Rechenzentren ergeben ein Portfolio, dessen Teile in sehr verschiedenen Geschwindigkeiten laufen.

04 Die Synthese

Am 31. Juli 2026 kostete die Aktie 57,40 Euro. Das sind 59 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und rund ein Viertel weniger als vier Wochen davor; die Spanne der letzten zwölf Monate reicht von 24,90 bis 76,25 Euro. Der Börsenwert liegt bei 1,03 Milliarden Euro, das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei gut 61 — gerechnet auf ein Ergebnis von 16,8 Millionen Euro, das die Softwareumstellung gedrückt hat. Die Dividende von 0,21 Euro ergibt eine Rendite von 0,37 Prozent, gezahlt wird sie seit vierzehn Jahren ohne Unterbrechung. Vier Analysehäuser decken den Wert ab, alle vier raten zum Kauf, mit Kurszielen zwischen 73 und 80 Euro. Eine Gegenstimme gibt es nicht.

Die Einwände liegen deshalb nicht im Markt, sondern in der Ausführung. Ein Auftrag ist kein Umsatz, und der freie Cashflow war zuletzt negativ, weil Kapazitätsausbau und Vorfinanzierung großer Projekte Kapital binden — jede Verzögerung bei Lieferung oder Zahlungseingang trifft genau diese Stelle. Die Konzentration ist erheblich: 350,3 von 422,4 Millionen Euro Quartalsauftragseingang stammen aus einem einzigen Segment, ein großer Teil davon von einem Kunden, dessen Namen das Unternehmen nicht nennen darf. Die Nachfrage selbst ist ausdrücklich Übergangsstrom, bis Netzanschlüsse stehen. Und der Hersteller, der nun im dreistelligen Megawattbereich liefern soll, hat gerade ein Jahr gebraucht, um seine eigene Buchhaltungssoftware zu beherrschen.

Dagegen steht ein Geschäft, das nicht erfunden werden musste. Über 10.000 Anlagen im Feld, 169 Millionen Euro Serviceerlöse, ein Heimatmarkt, den das Biomassepaket wieder in Bewegung bringt, und eine Maschine, die mit Erdgas, Biogas oder Wasserstoff dieselbe Arbeit verrichtet. Die entscheidende Frage betrifft daher nicht den Bedarf, sondern die Werkbank: ob ein Hersteller mit rund 1.100 Mitarbeitern und einer Montagehalle, die Anfang 2028 anläuft, einen mehrjährigen Auftrag dieser Größe abarbeiten kann, ohne dass Marge und Liquidität leiden. Der Kurs von 57,40 Euro beantwortet das nicht. Er enthält die Verdopplung, die auf die Ankündigung folgte, und den Rückgang, der auf die Verdopplung folgte. Der erste belastbare Hinweis kommt am 29. September, wenn der Halbjahresbericht erscheint.